Bis zu 30 Euro für einen Tagesbesuch? Venedig prüft deutlich höhere Zugangsgebühr ab 2027
Ein Tagesausflug nach Venedig könnte ab 2027 deutlich teurer werden. Nach drei Jahren Testbetrieb prüft die Stadt eine grundlegende Neuausrichtung des „Contributo di Accesso“. Im Gespräch steht eine Erhöhung von bisher 5 beziehungsweise 10 Euro auf rund 30 Euro an besonders stark frequentierten Tagen. Gleichzeitig könnte die Zahl der gebührenpflichtigen Tage ausgeweitet werden. Beschlossen ist das allerdings noch nicht – und für eine so deutliche Anhebung wäre voraussichtlich auch eine Änderung auf nationaler Ebene notwendig.
Die Diskussion um die Zugangsgebühr für Tagestouristen geht in Venedig in die nächste Runde.
Nach einem aktuellen Bericht des „Gazzettino“, über den auch österreichische und deutsche Medien berichten, will die Stadt das bisherige Modell nach den Testjahren 2024, 2025 und 2026 weiterentwickeln. Finanzstadtrat Michele Zuin erklärte demnach, dass die bisherige Höhe von 5 bis 10 Euro ihre abschreckende Wirkung zunehmend verliere. Als mögliche Größenordnung nannte er rund 30 Euro.
2027 könnte aus dem Testmodell ein dauerhaftes System werden
Bislang wurde der Zugangsbeitrag ausdrücklich als Versuch geführt.
2026 galt die Gebühr an 60 nicht aufeinanderfolgenden Tagen zwischen dem 3. April und dem 26. Juli. Sie wurde jeweils zwischen 8.30 und 16 Uhr erhoben. Wer rechtzeitig buchte, bezahlte 5 Euro. Kurzfristige Besucher mussten 10 Euro entrichten.
Nach Abschluss der Saison 2026 ist die Gebühr derzeit nicht aktiv. Die offizielle Informationsseite der Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass nach dem 26. Juli 2026 bis zu neuen Bestimmungen weder eine Zahlung noch ein Befreiungsnachweis erforderlich ist. Für 2027 wurde bislang noch keine endgültige Regelung beschlossen.
Genau daran soll sich nun etwas ändern.
Ab 2027 könnte die Zugangsgebühr eine dauerhaft stärker strukturierte Form bekommen.
Warum 5 oder 10 Euro aus Sicht der Stadt nicht mehr reichen
Zuin argumentiert laut den aktuellen Berichten, dass 5 oder 10 Euro für viele Besucher inzwischen kein wirklicher Grund mehr seien, den Termin eines Tagesausflugs zu überdenken.
Der ursprüngliche Sinn des Systems bestand jedoch nicht nur darin, Einnahmen zu erzielen.
Venedig wollte vor allem erreichen, dass Tagesgäste ihren Besuch stärker im Voraus planen und besonders überfüllte Tage meiden.
Genau hier sieht die Stadt offenbar Nachbesserungsbedarf.
Ein Betrag von rund 30 Euro könnte nach dieser Logik an besonders kritischen Tagen deutlich stärker wirken als die bisherige Gebühr.
Zuin nannte in diesem Zusammenhang beispielsweise den 1. Mai. An solchen Feiertagen kommen besonders viele Tagesgäste gleichzeitig nach Venedig.
Noch im Juni waren sogar bis zu 50 Euro im Gespräch
Die aktuelle Diskussion kommt nicht überraschend.
Bereits im Juni 2026 war öffentlich über eine deutlich höhere und flexiblere Zugangsgebühr gesprochen worden.
Damals standen sogar Beträge zwischen 30 und 50 Euro für besonders stark nachgefragte Tage im Raum. Die Idee: Der Preis könnte je nach Auslastung beziehungsweise Zahl der Voranmeldungen steigen.
Auch Vertreter der venezianischen Hotellerie hatten sich damals grundsätzlich offen für ein deutlich höheres Ticket gezeigt.
Aus Sicht der Hoteliers könnte eine stärkere Preisdifferenzierung dazu beitragen, Besucher auf ruhigere Zeiträume zu verteilen und gleichzeitig Übernachtungsgäste gegenüber reinen Tagesbesuchern attraktiver zu stellen.
30 Euro sind derzeit noch gar nicht ohne Weiteres möglich
Ein besonders wichtiger Punkt geht in vielen Schlagzeilen unter:
Die Stadt Venedig kann eine Zugangsgebühr von 30 Euro nicht einfach im Alleingang beschließen.
Der geltende gesetzliche Rahmen begrenzt den Beitrag derzeit. Bereits bei der Diskussion über 30 bis 50 Euro im Juni wurde darauf hingewiesen, dass dafür eine Änderung des nationalen Rechts notwendig wäre.
Deshalb müssen nicht nur die Stadtverwaltung und der Gemeinderat entscheiden.
Auch die italienische Regierung und letztlich das Parlament könnten eingebunden werden.
Die aktuell genannten 30 Euro sind deshalb eine politische und verwaltungstechnische Option, aber noch kein neuer Preis für 2027.
Mehr gebührenpflichtige Tage denkbar
Nicht nur die Höhe könnte sich verändern.
Auch der Zeitraum der Zugangsgebühr steht zur Diskussion.
2026 konzentrierte sich das System auf besonders stark frequentierte Tage zwischen April und Juli. Insgesamt waren es 60 Tage.
Nun wird laut den aktuellen Berichten geprüft, die Saison möglicherweise auszudehnen.
Im Gespräch stehen unter anderem zusätzliche Tage bereits im März sowie erneut im September.
Damit würde die Gebühr einen deutlich größeren Teil des touristischen Jahres erfassen.
Auch hier gilt jedoch: Es handelt sich bislang um Überlegungen. Ein offizieller Kalender für 2027 existiert noch nicht.
Die Stadt selbst schreibt derzeit ausdrücklich, dass die zuständigen Gremien erst noch über eine mögliche Anwendung nach 2026 entscheiden müssen.
Wie erfolgreich war der Test 2026?
Die Stadt sieht in den Ergebnissen des Jahres 2026 zumindest Hinweise darauf, dass das System Einfluss auf die Besucherströme haben könnte.
Insgesamt wurden während der 60 gebührenpflichtigen Tage 679.553 bezahlte Tickets ausgegeben. Die Einnahmen lagen bei rund 5,22 Millionen Euro.
Interessant ist vor allem die Entwicklung an besonders stark frequentierten Tagen.
Nach den vorläufigen Daten der Stadt gab es 2026 nur noch einen Tag mit mehr als 20.000 bezahlten Zugängen. In den vorherigen Jahren waren solche Spitzen häufiger aufgetreten.
Die Stadt interpretiert dies als mögliches Zeichen dafür, dass sich besonders extreme Besucherspitzen abschwächen.
Allerdings weist sie selbst darauf hin, dass Faktoren wie Wetter, Feiertage und die unterschiedliche Verteilung der gebührenpflichtigen Tage berücksichtigt werden müssen.
25.471 zahlende Tagesgäste allein am 2. Mai
Wie hoch der Andrang trotzdem bleiben kann, zeigt der stärkste Tag der Saison 2026.
Am Samstag, 2. Mai, wurden 25.471 bezahlte Zugangsberechtigungen ausgegeben.
Das war mit deutlichem Abstand der höchste Wert des Jahres.
Gerade solche Tage stehen im Mittelpunkt der neuen Überlegungen.
Die Stadt möchte offenbar ein Preismodell schaffen, bei dem ein besonders hoher Betrag nicht jeden Tag gilt, sondern gezielt dort eingesetzt werden könnte, wo bereits im Voraus sehr große Besucherzahlen erwartet werden.
Wie genau eine solche Staffelung aussehen könnte, ist bislang offen.
Einnahmen von rund 5,2 Millionen Euro
Der Zugangspreis brachte der Stadt 2026 brutto rund 5,2 Millionen Euro ein.
Die Stadt betont jedoch, dass die Einnahmen nicht das eigentliche Hauptziel seien.
Nach Abzug der Kosten für Organisation, Kontrolle und Betrieb des Systems fließt ein Teil der Mittel in kommunale Aufgaben.
Für 2026 wurden beispielsweise 1,771 Millionen Euro zur Entlastung bei der Müllgebühr TARI eingesetzt.
Die politische Begründung für eine höhere Gebühr lautet deshalb vor allem: Besucherströme sollen beeinflusst werden.
Hotelgäste zahlten bislang keinen Zugangsbeitrag
Für Urlauber ist eine Unterscheidung besonders wichtig.
Der „Contributo di Accesso“ ist keine allgemeine Eintrittsgebühr für jeden Venedig-Besucher.
Nach den Regeln von 2026 richtete er sich in erster Linie an Tagesgäste.
Wer in einem Hotel, einer Ferienwohnung, einem B&B oder einer anderen registrierten Unterkunft innerhalb der Gemeinde Venedig übernachtete, musste den Zugangsbeitrag nicht bezahlen. Stattdessen fällt die separate Übernachtungssteuer an.
Zu beachten ist dabei:
Auch eine Unterkunft in Mestre gehört zur Gemeinde Venedig. Wer dort übernachtet, fiel nach dem bisherigen Modell ebenfalls unter die Befreiung vom Zugangsbeitrag.
Ob diese Systematik 2027 unverändert bleibt, ist noch nicht endgültig beschlossen. Die bisherige Diskussion deutet allerdings darauf hin, dass gerade die Unterscheidung zwischen Übernachtungsgästen und Tagesbesuchern erhalten bleiben soll.
30 Euro könnten eine Übernachtung interessanter machen
Genau hier könnte eine deutlich höhere Tagesgebühr eine starke Wirkung entfalten.
Für ein Paar würden beispielsweise 60 Euro allein für den Tageszugang anfallen, wenn der Satz tatsächlich 30 Euro pro Person erreichen sollte.
Bei einer Familie mit zwei zahlungspflichtigen älteren Kindern könnten daraus bereits 120 Euro werden.
Damit verändert sich die Reisekalkulation erheblich.
Eine Übernachtung in Mestre, auf dem Lido oder im historischen Zentrum könnte für manche Besucher plötzlich interessanter werden, wenn dadurch gleichzeitig die Zugangsgebühr entfällt.
Allerdings wäre es derzeit verfrüht, solche Beträge bereits als konkrete Kosten für 2027 einzuplanen.
Noch keine 30-Euro-Gebühr beschlossen
Dieser Punkt ist besonders wichtig:
Venedig hat keine Zugangsgebühr von 30 Euro beschlossen.
Es gibt derzeit auch noch keinen offiziellen Kalender für 2027.
Die offizielle Informationsseite zum Contributo di Accesso erklärt weiterhin ausdrücklich, dass die zuständigen Gremien in den kommenden Monaten über eine mögliche Anwendung nach 2026 entscheiden müssen.
Die aktuelle Meldung bedeutet deshalb:
Die Stadt prüft eine deutliche Erhöhung.
Rund 30 Euro werden als mögliche Größenordnung genannt.
Die Zahl der gebührenpflichtigen Tage könnte steigen.
Aber weder Preis noch Termine stehen endgültig fest.
Warum die Stadt überhaupt stärker eingreifen will
Venedig kämpft seit Jahren mit extremen Schwankungen bei den Besucherzahlen.
Das Problem ist dabei nicht ausschließlich die absolute Zahl der Touristen.
Besonders belastend sind Tage, an denen innerhalb weniger Stunden außergewöhnlich viele Tagesgäste in das historische Zentrum strömen.
Bahnhof, Piazzale Roma, Rialto, die Achse Richtung Markusplatz und die Vaporetto-Linien geraten dann besonders stark unter Druck.
Der Zugangspreis soll deshalb weniger als klassische Einnahmequelle funktionieren, sondern als Instrument zur zeitlichen Verteilung von Besucherströmen.
Genau dieses Ziel nennt die Stadt auch in ihren offiziellen Erklärungen zur bisherigen Testphase.
Ein umstrittenes Instrument
Politisch ist die Zugangsgebühr weiterhin umstritten.
Kritiker bezweifeln, dass ein Ticket das grundlegende Problem des Massentourismus lösen kann. Sie verweisen unter anderem auf die Kosten des Systems und darauf, dass Venedig damit faktisch einen Eintrittspreis für eine bewohnte Stadt erhebe.
Befürworter sehen dagegen ein Instrument, mit dem Tagesbesuche gezielt gesteuert und die Belastung an besonders kritischen Tagen reduziert werden könne.
Diese gegensätzlichen Bewertungen zeigten sich bereits bei der Diskussion um eine mögliche Gebühr von 30 bis 50 Euro im Juni 2026.
Ob ein deutlich höherer Betrag tatsächlich Besucher abschreckt oder lediglich zusätzliche Einnahmen bringt, lässt sich mit den bisherigen Daten noch nicht eindeutig beantworten.
Was gilt derzeit im September 2026?
Für aktuelle Venedig-Reisende gibt es eine einfache Antwort:
Derzeit fällt überhaupt kein Zugangsbeitrag an.
Die letzte gebührenpflichtige Periode des Jahres 2026 endete am 26. Juli.
Seit dem 27. Juli sind weder Zahlung noch Registrierung oder Befreiungsnachweis erforderlich. Das bestätigt die offizielle FAQ der Stadt.
Wer Venedig also im September, Oktober oder während der kommenden Wintermonate 2026 besucht, muss nach dem derzeitigen Stand keinen Contributo di Accesso bezahlen.
Was bedeutet das für 2027?
Für 2027 befinden wir uns derzeit in einer Übergangsphase.
Drei Punkte zeichnen sich ab:
Die Stadt möchte das System offenbar fortführen.
Sie prüft mehr gebührenpflichtige Tage.
Und sie hält einen deutlich höheren Preis an besonders stark frequentierten Tagen für sinnvoll.
Ob daraus tatsächlich ein Satz von 30 Euro wird, hängt jedoch von weiteren politischen Entscheidungen und möglicherweise von einer Änderung des nationalen Rechts ab.
Solange diese Entscheidungen fehlen, sollten Reisende Angebote oder Meldungen, die bereits von einem „30-Euro-Eintritt ab 2027“ sprechen, mit Vorsicht betrachten.
Möglicherweise flexibler Preis statt pauschal 30 Euro
Eine weitere Möglichkeit wäre ein flexibles Tarifmodell.
Bereits im Juni wurde über Beträge zwischen 30 und 50 Euro gesprochen, die abhängig vom erwarteten Andrang variieren könnten.
Das würde gut zum bisherigen Grundprinzip passen.
Schon 2026 unterschied Venedig zwischen Frühbuchern und kurzfristigen Besuchern:
Wer früh buchte, bezahlte 5 Euro.
Wer erst wenige Tage vor dem Besuch reservierte, zahlte 10 Euro.
Ein zukünftiges System könnte diese Logik deutlich stärker ausbauen.
So könnte ein ruhiger Tag günstiger bleiben, während besonders kritische Feiertage wesentlich teurer werden.
Offiziell vorgestellt wurde ein solches endgültiges Modell bislang aber nicht.
März und September könnten hinzukommen
Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Saison.
Bislang konzentrierte Venedig die Gebühr auf das Frühjahr und den Frühsommer.
2026 begann sie Anfang April und endete Ende Juli.
Nach den aktuellen Berichten wird nun eine Erweiterung auf zusätzliche Zeiträume geprüft.
Insbesondere März und September werden genannt.
Das würde die Zahl der betroffenen Urlauber deutlich erhöhen.
Gerade September ist in Venedig traditionell stark besucht, unter anderem wegen der Filmfestspiele, der Regata Storica und zahlreicher Kulturveranstaltungen.
Ob tatsächlich zusätzliche Tage in diesen Monaten eingeführt werden, steht noch nicht fest.
Unser Rat für Venedig-Reisende
Wer bereits eine Reise für Frühjahr oder Sommer 2027 plant, muss derzeit noch nichts unternehmen.
Es gibt noch keinen offiziellen Kalender und keinen endgültigen Tarif.
Sobald die Stadt Venedig die Regeln für 2027 beschließt, sollte allerdings geprüft werden:
Ist der gewünschte Reisetag gebührenpflichtig?
Wie hoch ist der Tarif an diesem Tag?
Gibt es Vorteile durch frühzeitige Buchung?
Und fällt man möglicherweise unter eine Befreiung?
Für Übernachtungsgäste ist besonders wichtig, ob das bisherige Befreiungssystem auch 2027 unverändert fortgeführt wird.
Noch ist vieles offen – die Richtung ist aber klar
Die Zugangsgebühr in Venedig dürfte nach drei Testjahren nicht einfach verschwinden.
Die Stadt arbeitet offenbar daran, aus dem Versuch ein stärkeres Steuerungsinstrument zu machen.
Dabei rückt vor allem eine Frage in den Mittelpunkt:
Wie hoch muss die Gebühr sein, damit Tagesgäste an extrem stark besuchten Tagen tatsächlich einen anderen Termin wählen?
Aus Sicht von Michele Zuin reichen 5 oder 10 Euro dafür inzwischen nicht mehr aus.
Rund 30 Euro stehen deshalb als mögliche neue Größenordnung im Raum.
Ob diese Summe tatsächlich kommt, wann sie gelten würde und für wie viele Tage, ist dagegen noch nicht entschieden.
Stand: 21. September 2026. Für 2027 gibt es noch keine beschlossene 30-Euro-Zugangsgebühr und noch keinen offiziellen Anwendungskalender.
